6. Rundbrief: am 23. September 1999 Hallo ihr alle, nun habe ich ja lange nix mehr von mir hoeren lasse. Nun, ich bin hier ein bisschen in Arbeit versunken und habe so gut wie nix anderes mehr zu tun, als hier im Institut den Fortgang meiner Diplomarbeit zu beobachten bzw. besser ihn voranzutreiben. Unsere morgendliche Aufstehzeit hat sich nun wieder etwas nach hinten verschoben, so auf um 10.00 Uhr morgens. ALlerdings ist Feierabend auch meistens erst abends gegen 10. So gewoehnt man sich langsam wieder an die Zeiten in Deutschland, damit einem der sog. Jetleg nicht so uebel mitspielt. (Das ist der Zustand des staendigen Muedeseins, der eintritt, wenn man zwischen verschiedenen Zeitzonen hin- oder herfliegt und sich gewaltig in seinem Schlafrhythmus gestoert fuehlt , also umstellen muss.) Also, ich stehe immer spaeter auf, damit ich in Deutschland nach der Rueckkehr nicht mehr soo sehr mich umstellen muss. Nun ja, vor ein paar Tagen habe ich meinen Flug umbuchen lassen. Es hat sich fuer besser herausgestellt, wenn ich den letzten Monat meiner Diplomarbeit in Darmstadt verbringe, damit alle Sachen, die noch zusammenzuschreiben sind auch gut werden. So habe ich dank Torsten ein gutes fachliches Gegenueber und einen guten Berater/Betreuer zusaetzlich. Ich werde in Darmstadt wieder bei Schenkelbergs schlafen und wohnen duerfen. (Vielen Dank an Euch!) Da weiss ich wenigstens, wo ich hinkomme und dass es mir da gefaellt. Mein Rueckflug wird also am 13. November sein und darauf freue ich mich schon ziemlich. Hier das Leben ist schon echt verrueckt. So nach der Haelfte der Zeit hier stellt sich so ein Gefuehl des Nach-Hause-Wollens ein. Die Kultur ist doch sehr "different" wie man hoeflicherweise sagt.So fuehle ich mich doch eher nach Hause gezogen. (Natuerlich weil da meine liebste Verlobte wartet!!) Ich will ein bisschen von ein paar Freizeitaktivitaeten noch berichten. Das was hier im Institut passiert ist ja doch sehr eintoenig und mit fachlichen Dingen will ich Euch nicht belasten. Denkt trotzdem bitte nicht, ich haette hier nur Ferien, auch wenn ich so viel Neues erlebe. Also wir waren hier in einem Restaurant, was sich Werner's Oven nennt. Das Essen war fuer hiesige Verhaeltnisse ziemlich exotisch, aber fuer mich war das Essen zum "Zuhausefuehlen". Das Restaurant befindet sich am anderen Ende der Insel (East Coast) und ist ein durch und durch deutsches Restaurant. Karierte Tischdecken, Deutschlandkarten an der Wand, Stammtisch, Erdinger Weissbier, Volksmusik und ein deutscher Gastwirt. Wolfgang (unser Chef hier) kannte ihn schon und er kannte auch Wolfgang, so hat sich Werner immer mal zu uns an den Tisch gesetzt und mit uns gequatscht und seine Geschichten ausgepackt. Es war so die Weltenbummlerstimmung, wenn ein solcher seine Geschichte erzaehlt. Er ist vor 30 Jahren aus Deutschland weg, hat auf den Bahamas in einem Hotel gearbeitet, ist nach Brasilien und dann nach Singapore auf einer Bohrinsel gelandet. Und hat hier immer weitergearbeitet und irgendwann sein Geschaeft aufgemacht und hat jetzt sein Restaurant, einen Handel und eine Baeckerei. Wo er sich allerdings in seinem Leben vielleicht einsam gefuehlt hat, hat er nicht erzaehlt. Ein weiteres Erlebnis war der March'e. Das ist ein zum schweizer Moevenpick gehoerender Restaurant-markt. Also verschiedene Staende, an denen es hauptsaechlich europaeisches Essen gibt. Am Eingang bekommt man eine Zahlungskarte, die man bei jedem Stand vorzeigt. Durch ein Computersystem (Computer sind wichtig, deshalb studier ich das!) wird vermerkt, wer mit welcher Karte wieviel gekauft hat. Am Ausgang wird dann abgerechnet. So ist man drinnen von allen Geldangelegenheiten befreit, kann so richtig zuschlagen bis einem am Ausgang dann spaetestens von der Rechnung schlecht wird. Aber das Essen ist eigentlich perfekt. Zur Zeit sind wie in Muenchen auch, die Wochen des Oktoberfests. Dazu laufen alle Angestellten mit Lederhosen, T-Shirts mit Hosentraegeraufdruck und Filzhut rum und keiner sagt ihnen, wie daemlich das eigentlich aussieht. Nun, das Essen hat wieder mal geschmeckt, es gab auch einige deutsche Gerichte, die doch eine schoene Abwechslung in die sonstigen Essensgewohnheiten bringen. Nur ploetzlich fing die echte GERMAN BAND an. Keiner hat den Chinesen gesagt, dass die gar nicht aus Deutschland, sondern aus Bayern kommen und so war dann auch die Musik. Froehliche Stimmungsmacher mit Klarinette, Trompete, SChlagzeug und Akkordeon stimmten die Chinesen heiter und exotisch fuehlend, wir dagegen mussten doch etwas schmunzeln angesichts dieses Schauspiels. Es war doch schon etwas peinlich. Die Dekoration war blau-weiss, das Bier Erdinger, die Preise typisch Singapore. Alles in allem eben "Die Wiesn".
Bei uns in der Gemeinde war letztens der Cell Group Day, d.h. es haben sich alle Bibelzellgruppen an einem Samstag Nachmittag getroffen und wir haben gemeinsam gespielt, gesungen, Andacht gehabt und eine Menge Spass. Eigentlich bin ich ja nicht so der Typ fuer Gesellschaftsspiele. Ich will sagen, ich mag sie nicht besonders, weil man sich vor allen immer so anstrengen muss und sich ziemlich blamieren kann. Aber an diesem Tag ging es, weil es doch ziemlich lustige Spiele waren. Mittlerweile ist man auf diese Hitze hier schon so fiziert, dass es sogar kalte Tage gibt! Diese sind dann meist etwas regnerisch, aber doch durch die fehlende Hitze ziemlich angenehm. Es sind zwei neue in meinem Bekanntenkreis hier in Singapore. Zum einen ist das ein neuer Zimmerkumpel. Er ist Chinese hier aus Singapore, aber doch sehr ruhig und zum Glueck nicht so ein Partyhai. Die Zeit verbringt er eigentlich meistens mit Lernen. Letztens kam ich wieder mal gegen halb drei in der Nacht in mein Loch. Er lernte also noch. Gut, gleich am Anfang habe wir uns unterhalten und erwaehnte so, dass mir das Neonlicht nicht so sehr gefaellt. Nun schaltet er es immer gleich aus, wenn ich komme und schaltet sein kleines an. Find ich prima! An jenem Abend genauso, nur hat er bis fuenf gelernt. Das ging so jeden Abend. Bis ich dann mal gegen 12 kam und er schon im Bett lag. (Samstag Abend) Also dachte ich, werde ich morgen auch vor ihm aufstehen und er wird sicher viel laenger schlafen. Aber weit gefehlt. Gegen vier in der Nacht steht er auf, geht duschen und faengt an zu lernen. Das fand ich dann schon ziemlich verrueckt. Versteht einer die Chinesen? Der zweite ist Wolfgang Beinhauer, ein Student, der jetzt hier anfaengt, seine Diplomarbeit zu schreiben. Nun sind wir also vier Studenten und versuchen hier im wilden Osten weiterhin zu ueberleben.
Nun habe ich viele viele Sachen bestimmt nicht erzaehlt, aber wenigstens ein bisschen von mir gegeben. Viele Gruesse an Euch alle hier aus Singapore, Gott segne Euch, Euer Matthias PS: Koennt ihr den Brief auch gleich wieder weitergeben an die ohne eMail wie bisher? |