5. Rundbrief: am 21. August 1999 Hallo ihr alle, nun bin ich mal wieder dran, einen Rundbrief zu schreiben. Es hat sich wieder einiges angesammelt, was sich zu schreiben hoffentlich lohnt. Die letzten zwei Wochen sind ziemlich gut verlaufen. Nach einigen Schwierigkeiten bei einem Programm, was nicht so laufen wollte, wie ich es wollte, bin ich doch wieder ein bisschen voran gekommen. Die Tage hier sind immer sehr schnell vorbei und man hat manchmal das Gefuehl nicht viel geschafft zu haben. Das Erlebnis Supermarkt: In einem Singaporianischen SUpermarkt einkaufen zu gehen, ist ein wahres Erlebnis, was fuer einen einigermassen tuechtigen Europaeer ganz schnell zu einer Geduldsprobe ausartet. Zum einen haben die Supermaerkte hier jeden Tag zwischen 8 und 21 Uhr auf. Also auch sonntags! Zum anderen sind sie immer voll und eng! Es kann zum Beispiel passieren, das ploetzlich ein Chinese auf einer Kreuzung stehenbleibt. Dann staut sich drum herum alles und ist fuer mindestens 5 Minuten blockiert, weil einer nachdenkt und nicht weiss, was er kaufen will. Ein Erlebnis war die Wursttheke. Zwei Sorten Wurst, die wir kaufen wollten und zwei Bedienungen. Das, dachte ich, reicht, aber ich hatte die Wurstschneidemaschine nicht bedacht. Die muss naemlich gerade gerueckt, eingestellt, angestellt, ausgerichtet werden. Dann muss ja noch die Wurst drauf und ... die Unterlage richtig hingelegt werden. Dann ...(wie ging das?) .. aah ja, einschalten und hin- und herbewegen. NAchdem die 3 Scheiben dann durch die Maschine waren, waren es immer noch nicht die von uns gewuenschten 100g. Also ... nochmal von vorne. Alles in allem hat das schon einige Zeit in Anspruch genommen. Ein Europaeer laesst sich nicht entmutigen. Vorbei am Kuehlregal, vor dem ein kleines Auarium steht, wo man sich lebende Ahle rausangeln kann, kommt man an einer Art Terrarium vorbei. Dort gibt es Schildkroeten, Krebse und andere Kriech- und Meerestiere. Selbstverstaendlich frisch und lebend. (Ach ja, ich vergass die toten Voegel im Kuehlregal. Da ist ueberall der Kopf noch dran!) Nun stellt man sich erstmal an. Ne viertel Stunde ist da noch nix. Zum einen sind ja hunderte im Supermarkt, zum anderen fertigen 5 Kassen in 5 Minuten soviele Leute ab, wie in einem deutschen Aldi eine. Nun ja, die Kassiererin ist so freundlich und packt alles nach ausgiebiger Begutachtung selbst in eine Plastiktuete und ist auch beim Kassieren sehr sorgfaeltig. Alles in allem ist man froh, wieder draussen zu sein.
Ich moechte etwas ueber das Oeffnen der Geschaefte am Sonntag schreiben. Ich erlebe hier, dass fast alle Geschaefte auch am Sonntag bis abends neun Uhr oeffnen. Damit unterscheidet sich eigentlich der Sonntag kaum noch von anderen Tagen. Die Diskussion brach ja vor einiger Zeit in Berlin und Halle aus und wird immer noch in Deutschland diskutiert. Ich finde es ausreichend, wenn Geschaefte wochentags abends laenger oeffnen, aber Moebel und Badgarnituren muessen am Sonntag wirklich nicht gekauft werden. Sonntag ist der siebte Tag, der Ruhetag, an dem das nun wirklich nicht sein muss.
Wir gehen so alle zwei Wochen sonntags immer zu einem Kollegen aus dem Institut und haben zusammen einen deutschen Abend. Wir essen immer irgendetwas, was an Deutschland oder wenigstens Europa erinnert. Der Abend laeuft eigentlich immer sehr aehnlich ab. Zuerst wird jenes leckere heimische Abendessen abgehalten, danach gibt es im singapurianischen Fernsehen eine Serie "Martial Law", gegen 10.00 Uhr einen Film und danach, der eigentliche Grund unseres Treffens, die Formel-1-Uebertragung des malayischen Fernsehens, die nie live sondern immer mit vier Stunden Verzoegerung kommt. Das komplizierteste ist immer, den Anfang des Rennens abzupassen, weil kurz vorher die Ergebnisse des Rennens in den Nachrichten gebracht werden und einem die Spannung waerend des Rennens nehmen koennen. Unser letztes "deutsches" Abendessen war also richtig lecker mit franzoesischem Baguette, Butter (eher die Seltenheit unserer taeglichen Nahrung), franzoesischer Camembert, Schinken, deutsche Konservenleberwurst und Nutella (aus Australien!) koennen einem ein gewisses Heimatgefuehl vermitteln. Der naechste Formel-1-Abend ist auch schon gesichert. Wir haben eingefrorenen Kartoffelsalat. Wie lange hatte ich den schon nicht mehr! Ein sehr aufregendes Erlebnis hatte ich mit dem "Festival of Praise". Das fand hier im Indoor-Stadium in Singapore statt und war eine ziemlich grosse christliche Veranstaltung mit Darlene Zschech aus Australien und einem Redner aus Wales. Darlene Zschech schreibt auch Lieder (z.B. "Shout to the Lord", wer es kennt) und gehoert zu Hillsong Australia. Angefangen hat es am Donnerstag 5.08., aber ich konnte leider erst am Samstag hin. Auf dem Programm stand, dass es halb 8 anfaengt. Aufgemacht haben sie die Halle fuer Zuschauer gegen 6 und angefangen hat es um 7. Ich bin 5 vor halb acht gekommen und es standen schon 5000 Zuschauer draussen vor den Monitoren und der aufgebauten Leinwand und drinnen waren vielleicht 10000. So stand ich vor verschlossener Tuer und habe mich riesig geaergert und immer wieder nachgedacht, wie ich da reingehen koennte. Ich bin drumherum gelaufen und habe nach zufaellig offenen Tueren gesucht und ein offenes Fenster in Deckenhoehe gefunden. Das war mir dann aber doch sehr unsicher, da reinzuklettern. :-) So bin ich in irgendeinem bewachten Serviceeingang mal aufs Klo und habe den Mann angequatscht, der konnte mir nicht weiterhelfen. An dem Eingang fuer den Chor habe ich dann mal gefragt, wie ich "wieder" reinkommen koennte, "ich war auf dem Klo und nun stehe ich draussen", ob er mir helfen koennte. (Es war eine kleine Luege, aber ich wollte doch gerne rein.) Das muss wohl ein etwas hoeherer der Security gewesen sein. Jedenfalls sollte ich ihm folgen. Wir sind an 20 weiteren Securityleuten vorbei, die mich bestimmt aufgehalten haetten, das nun dank meiner Begleitung nicht taten. Er hat mich dann direkt in die Halle gebracht. Nun bin ich die halbe Treppe in diesem Indoor-stadium hoch gegangen, habe aber keinen Platz mehr gefunden. (Klar, deshalb haben sie ja die Halle geschlossen.) Nach 2-3 Liedern bin ich nochmal runter und habe dort einen Platz entdeckt, so sass ich sogar ziemlich dicht an der Buehne. Spitze war das! Die Veranstaltung war dann wirklich schoen mit viel Gesang und einer guten Rede.
Am 9.08. war Nationalfeiertag hier in Singapore. Leider haben wir das grosse Feuerwerk nicht sehen koennen, aber der freie Tag war schon nicht schlecht. Am Abend davor war ich eingeladen zu einem BBQ mit Ruth und Andrew aus meiner Bible Study Group. Die treffen sich jedes Jahr mit alten Freunden zu einem Grillabend vor dem Nationalfeiertag. Es war richtig schoen und hat in einem echten Haus stattgefunden. Da war ich sehr ueberrascht, denn hier ist es ueblich in einem Block zu wohnen, der irgendwo im Gelaende kleine Grillplaetze hat. Normal Ein-Familien-Haeuser sind sehr teuer und auch die Grundstueckspreise sind wegen Platzmangel sehr hoch. Aber wir haben dort im Garten schoen gegrillt und es war ein wirklich schoener Abend mit Spass und Spiel. Die bei denen wir waren muessen wirklich ein gutes Geschaeft haben, denn die Autos die sie haben sind schon in Deutschland sehr teuer. Ein Mercedes SLK, BMW und ein Kaefer! Das hat mich fast umgehauen. Natuerlich sind das alles deutsche Autos, die sind ja wirklich gut, ein Auto in Singapore zu haben ist an sich schon teuer, weil die Regierung auf diese Weise den Verkehr bzw. die Verkehrsdichte hier regelt. Ein Auto hier zu fahren kostet ungefaehr das dreifache wie in Deutschland. Zum Beispiel ein Mittelklassewagen, der 30000 S$ kostet, kostet in Deutschland aehnlich viel, aber hier muss jeder noch eine Erlaubnis kaufen, dass er sich ein Auto kaufen darf. Die kostet dann in der Regel 35000 S$ und gilt 10 Jahre. Hinzu kommt dann noch die Einfuhrsteuer fuer solch ein Auto, weil hier in Singapore keine Autos hergestellt werden. Diese Einfuhrsteuer kostet dann nochmal 20000 S$. Alles in allem ist ein Auto hier ein sehr teures Vergnuegen. Die Einfuhrsteuer und Erlaubnis steigen proportional mit dem Autopreis. Die jaehrliche Versicherungssumme und Steuer ist mit 200-400$ relativ gering demgegenueber. Ein Wort muss ich noch verlieren ueber das Wetter hier. Es ist wirklich sehr wechselhaft und es kann von jetzt auf nachher anfangen zu regnen und wieder die Sonne zu scheinen. Ausserdem gibt es hier ziemlich viele Gewitter. So viele habe ich selten erlebt und sie finden meistens morgens gegen sieben statt. Dementsprechend streng ist auch der Regen. Es passiert wirklich oefters, dass sich der Himmel so verdunkelt wie (wahrscheinlich) zur Sonnenfinsternis (ein Ereigniss, dass ich leider nur im Internet nicht richtig live verfolgen konnte). Der Regen, der aus solch einem verdunkelten Himmel kommt ist so stark wie eine Dusche und damit uebertreibe ich nicht. Die Abflussrinnen, die hier gebaut wurden, sind sehr tief und richtig auffallend. Neben den Strassen sieht man richtige Graeben, die 20 cm breit und 40 cm tief sind und bei so einem Regen ziemlich schnell gefuellt sind. Oft sieht man auch noch breitere Graeben und sogar groessere Flaechen Wiese haben Abflussgraeben.
Nun werde ich aber in dieses Wochenende starten, Gottes Segen mit Euch und viele Gruesse aus Singapore, Euer Matthias |