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3. Rundbrief Singapore

3. Rundbrief:

am 7. Juli 1999

Hallo ihr alle,

zuerst einmal wieder liebe Gruesse aus Singapore in das ferne Deutschland, das dank Internet doch nicht so fern ist. Ich kann mir hier quasi die Welt ins Haus holen. MDR Live, Radio FFH und die taegliche Tagesschau sind ueber Internet zu erreichen, nur die Qualitaet ist etwas schlechter als mit Radio oder Fernsehen. Ansonsten kann ich auch so wie jetzt gerade israelisches Radio hoeren. Das bringt ein noch mehr Wuerze in die Exotic meines Daseins auf dieser Insel hier. Das Leben ist echt verrueckt und ich habe das Gefuhel, mich hier langsam zu aklimatisieren.

 

Zuerst einmal von den letzten Wochenenden, die eigentlich aehnlich dem ersten verlaufen sind nur mit dem Unterschied, dass ich wahrscheinlich jetzt meine Heimatgemeinde/kirche gefunden habe. Danke, Grossvati, fuer die Adresse der Prinsep Presbytarian Church. Es gefaellt mir dort sehr. Es ist eine amerikanische Kirche mit langer Tradition, die schon viele Jahrzehnte hier in Singapore ist. Sie ist also nur von ihrem Ursprung und dem Reverent am letzten Sonntag zur Predigt noch amerikanisch zu nennen.

Ich fuehle mich dort wohl und bin auch wirklich gut aufgenommen worden. Gleich beim ersten Gottesdienst bin ich an den gekommen, der guten Kontakt nach Deutschland zu Konrad Brandt (Grossvati, Du wirst ihn kennen..) hat. Ausserdem durfte ich gleich ein paar Informationen ueber die Gemeinde bekommen und wurde einigen Leuten vorgestellt. Die Lieder im Gottesdienst kannte ich zur Haelfte und die Art und Weise des Gottesdienstes ist sehr erfrischend, froehlich, man hat aber auch eine gewisse Liturgie. Man merkt, dass das Christen zusammen sind, die wirklich biblisch leben wollen. Ausserdem gibt es fuer jeden Gottesdienst ein neues Informationsblatt, auf dem Gebetsanliegen, Termine, Gottesdienstablaeufe fuer alle 3 Sonntagsgottesdienste und viele andere Sachen drauf stehen.

Freitags treffen wir uns immer zu einem Bibelgespraech. Im Moment haben wir mit dem Propheten Micha angefangen. Ich muss zwar 1 1/2 Stunden fahren, um dorthin zu kommen, aber ich werde durch eine gute Gemeinschaft belohnt. Also gemeindemaessig wird es mir vorraussichtlich gut gehen. Das finde ich ein schoenes Geschenk.

Meine Arbeit geht eigentlich so voran. Probleme, die es hier gibt sind mentalitaetsbedingt. Aber solche Probleme hat der arbeitseifrige und immer bereite und schnellerledigende Deutsche im Ausland immer. Also, die Muehlen mahlen langsam bei jeglichen Verbesserungsvorschlaegen und Schaffung von Grundvorraussetzungen. Nun jedenfalls habe ich meinen Studentenausweis schon und das macht mich hier zu einem richtigen Student. Allerdings musste ich doch noch zu einem medizinischen Test, den ich hoffte, umgehen zu koenne, denn er kostet wieder 23 S$. Nun Groesse, Gewicht, Urin und Augen wurden getestet. Am Ende musste ich noch 10min mit dem Bus zum Roentgen fahren und sie haben ein Bild von meinem Brusatkorb gemacht. Warum, weiss ich nicht, aber die brauchen das hier scheinbar, denn es waren viele Studenten dort.

Die Tage verfliegen wahnsinnig schnell, man geht fruehstuecken nachdem man sich aus dem Bett gequaelt hat. Dann kommt man ins Institut und liest erstmal die Mails, die ihr so aus Deutschland am Abend vorher geschrieben hat. Die Antwort ist dann puenktlich um 6 Uhr morgens in Deutschland wieder. 13 Uhr gehts zum Mittagessen (Nudeln oder Reis.... allerdings habe ich hetzt auch schon Leckereien entdeckt, die dem auch Nichtasiaten schmecken.), danach sind schon die ersten Mails der Fruehaufsteher da. Die Arbeit am Nachmittag wird nur durch ein Kaffeetrinken und die ankommenden Mails unterbrochen. Die meisten und schoensten Mails kommen von Dir Angela :-) !

Nun moechte ich noch ein paar allgemeine Worte ueber verschiedene Dinge hier in Singapore klaeren. Man stellt sich vor, hier ist es heiss und feucht. Da kommt man doch gleich auf den Gedanken, man laeuft hier nur in kurzen Hosen und aermellosem T-Shirt rum. Aber weiter gefehlt. In der Uni ist einerseits anzuegliche Kleidung verboten, d.h. keine aermellosen Shirts, kurze Shorts oder Sandalen ohne Haltebaendchen. Das kann zu Strafen fuehren. Auf der anderen Seite sind die Klimaanlagen hier so kalt, dass man freiwillig auch noch einen Pullover anzieht. Auf diese Weise kehrt sich alles um. Wenn man reinkommt, muss der Pullover angezogen werden, geht man raus, wird er aus Sicherheitsgruenden wieder ausgezogen, weil man auch im T-Shirt schwitzt. An die lange Hose muss man sich eben gewoehnen.

An den Linksverkehr hier musste ich mich gewoehnen. Es ist immer noch eine gewisse Gefahr dabei, wenn ich ueber die Strasse gehe. Ich schaue grundsaetzlich zuerst in die flasche Richtung. Das fuer mich sichere ist aber, dass auf dem Campus sehr wenig Autos fahren und in der Stadt immer Ampeln sind. Es ist also jedesmal ein Akt der Koordination notwendig, um die Strasse zu ueberqueren. Autofahren waere wahrscheinlich zu Beginn ein Abenteuer fuer mich und alle Mitfahrer.

Ich moechte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Werbung, die hier in Singapore so gemacht wird, wirklich gut aussieht. Das design aller Strassenplakate, Handzettel usw. ist wirklich richtig modern und meinem Geschmack sehr entsprechend. In Deutschland beginnt es erst, so gut zu werden.

Nun noch ein paar Worte an die, die sich fragen, wie ich hier mit den alltaeglichen Dingen zurecht komme. Also zuerst einmal das Waesche waschen. Das gestaltet sich erstaunlicherweise sehr einfach. Die Bedienung der Waschmaschine ist idiotensicher. Es gibt einen Ein-Taster, den man nach dem Beladen und dem Zugeben des Waschmittels betaetigt. EInstellungen an der Maschine sind einfach, denn man kann Waschen, Spuelen und Schleudern einzeln dazusschalten. Es ist aber meistens schon so eingestellt. Nun eine Temperatureinstellung gibt es nicht, denn hier wird kalt gewaschen. Also braucht man auch nur in hell und dunkel zu sortieren oder fusselig oder nicht und besonders empfindliche Stoffe kann man ja einzeln waschen, denn das Waschen kostet nix. In dieser Temperatur hier koennte man sagen, die Waesche trocknet sehr schnell, aber sie passt sich eher der allgemeinen Feuchtigkeit der Luft an. Buegeln ist aus Ermangelung eines solchen Eisens auch nicht drin, dafuer lernt man aber, alles richtig glatt aufzuhaengen. So geht es auch.

So wie das Waschen nur "kalt" geht, so geht das Duschen eigentlich nur "warm", weil das Wasser soo kalt auch nicht ist. Das ist aber auch gut, denn richtig kaltes Wasser wuerde den Koerper nur noch anregen und zum Schwitzen bringen.

Nun werde ich mal Mittagessen gehen, viele Gruesse aus Singapore,

bis bald,

Euer Matthias

Zwischenruf:

am 13. Juli 1999

Hallo ihr alle,

gerade denke ich darueber nach, ob ihr das schon wisst. Aber einige wissen es nicht genau und auch nicht wann. So schreiben wir einfach mal eine Mail an Euch alle.

Fuer manche von Euch scheint es sehr schnell gegangen zu sein, fuer uns aber ist es nicht mehr anders zu denken. Mit jedem Tag, den wir uns kennenlernen, wachsen wir zusammen und wissen, dass Gott uns zusammengefuehrt hat.

Wir wagen es also und wollen am 08. April 2000 heiraten. Der Termin ist vorgemerkt und wird sicherlich auch so bleiben. So wisst Ihr es schon.

Viele Gruesse aus Singapore und Schmalkalden,

Eure Matthias Kittner und Angela Deschner

 

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